Vom Lernen zum Wachstum: Eine Unternehmergeschichte aus Asien

Eine Begegnung, die bleibt

Ich habe Richard im Jahr 2001 kennengelernt.

Damals war er schon ein erfahrener Unternehmer – heute ist er 77 Jahre alt. Und immer noch aktiv.

Seine Geschichte beginnt 1982 in Seoul.

Mit gerade einmal 10 Mitarbeitern gründete er sein erstes Unternehmen für Schaltmatten.

Doch früh erkannte er:

Als Mittelständler sind die Wachstumschancen in Korea begrenzt.

Also ging er dorthin, wo viele gezögert haben – nach China.


Eine ungewöhnliche Geschäftsphilosophie

Was mich von Anfang an beeindruckt hat, war nicht seine Technik.

Es war seine Haltung.

Richard hat jeden Auftrag angenommen.

  • egal wie klein
  • egal wie wenig Marge
  • egal ob es sich „gelohnt“ hat

Sein Satz dazu war immer:

„Wenn ich etwas dabei lerne, ist das für mich schon ein Gewinn.“

Eine Denkweise, die man heute kaum noch findet – und die gleichzeitig der Schlüssel zu seinem Erfolg war.


Wachstum durch Konsequenz

Über die Jahre hat er seinen Betrieb konsequent weiterentwickelt:

  • kontinuierliche Modernisierung
  • gezielte Automatisierung
  • Ausbau von Know-how statt kurzfristiger Gewinne

Heute betreibt er:

  • 2 Werke in China
  • mit rund 400 Mitarbeitern

Und sein Portfolio hat sich ebenfalls verändert:

Vom einfachen Hersteller für Folientastaturen

→ hin zum Anbieter kompletter Human-Machine-Interface (HMI)-Lösungen

→ bis zum fertigen Endgerät, wenn der Kunde es wünscht


Was wirklich beeindruckt

Ich habe ihn vor Kurzem wieder besucht.

Beim gemeinsamen Mittagessen saßen Mitarbeiter mit am Tisch,

die schon dabei waren, als ich ihn vor über 20 Jahren kennengelernt habe.

Das sagt mehr als jede Kennzahl.

  • Loyalität
  • Verlässlichkeit
  • langfristiges Denken

Das sind keine Buzzwords bei ihm – das ist gelebte Realität.


Die nächste Generation

Sein Sohn übernimmt inzwischen immer mehr Verantwortung

und wird im kommenden Jahr von Korea nach China übersiedeln.

Ein klassischer Generationswechsel – aber keiner, der abrupt passiert.

Denn Richard hat noch zu viel Energie, um aufzuhören.

Er liebt, was er tut.

Und er genießt es sichtbar,

jetzt die Früchte seiner jahrzehntelangen Arbeit zu sehen.


Sein Prinzip – bis heute

Ein Satz ist mir besonders im Kopf geblieben:

„Control, control and control again. Strive for perfection.“

Kein Marketing-Spruch.

Sondern die Essenz eines Unternehmers, der sein Geschäft von Grund auf verstanden hat.


Was wir daraus lernen können

Diese Geschichte ist mehr als nur eine persönliche Erinnerung.

Sie zeigt:

  • Erfolg entsteht nicht durch schnelle Gewinne
  • sondern durch konsequentes Lernen
  • durch langfristige Beziehungen
  • und durch kompromisslose Qualität

Persönliches Fazit

Ich wünsche mir, noch viele gemeinsame Essen mit Richard zu haben.

Und ich bin dankbar, solche Menschen in meinem Netzwerk zu wissen.

Denn sie erinnern uns daran,

worum es im Kern wirklich geht.

Heiko Gutsche