Sourcen in China – warum weniger Region oft mehr Erfolg bedeutet

China ist riesig. Und genau das ist für viele deutsche Mittelständler eines der größten Probleme beim Einstieg ins Sourcing. Wer China wie einen überschaubaren Beschaffungsmarkt behandelt und versucht, im ganzen Land Lieferanten zu suchen, wird schnell an Grenzen stoßen – organisatorisch, zeitlich und finanziell.

China ist kein einzelner Markt, sondern ein Kontinent mit regionalen Industrien.

Dauernd von Lieferant zu Lieferant zu fliegen, quer durchs Land, ist weder effizient noch zielführend. Unterschiedliche Zeitzonen, Entfernungen, Kulturen und Industriecluster machen eine flächendeckende Beschaffung praktisch unmöglich – zumindest ohne eine eigene große Organisation vor Ort.

Der pragmatische Ansatz lautet deshalb: Fokussieren statt verzetteln.

Wer in China sourcen will, sollte sich bewusst für eine Region entscheiden. Bewährt haben sich industrielle Cluster wie Ningbo im Großraum Shanghai oder das Pearlflussdelta, in dem auch wir tätig sind. Diese Regionen sind über Jahrzehnte gewachsen, hochgradig spezialisiert und hervorragend vernetzt.

Der entscheidende Vorteil: In diesen Clustern findet man innerhalb kurzer Zeit eine enorme Bandbreite an Kompetenzen.

Im Umkreis von etwa 90 Autominuten habe ich bislang alles gefunden, was meine Kunden benötigten – vom Werkzeugbau über Kunststoffspritzguss, Druckguss, Silikon bis hin zu Montage, Oberflächen und Verpackung.

Das spart Zeit, reduziert Reisekosten und vereinfacht das Projektmanagement erheblich. Lieferanten können schnell besucht, Prozesse abgestimmt und Probleme kurzfristig geklärt werden. Gleichzeitig entsteht ein tiefes Verständnis für die regionale Lieferkette – ein unschätzbarer Vorteil gegenüber punktuellen Einzelkontakten.

Ein weiterer Aspekt wird häufig unterschätzt: Vertrauen entsteht regional. Viele chinesische Lieferanten arbeiten seit Jahren oder Jahrzehnten miteinander. Wer in einem Cluster etabliert ist, profitiert von diesen Netzwerken. Wer ständig die Region wechselt, bleibt dagegen oft ein Fremder.

Sourcing in China ist deshalb weniger eine Frage der maximalen Reichweite als der richtigen lokalen Tiefe. Wer versucht, überall zu sein, ist am Ende nirgends wirklich gut vernetzt.

Für den deutschen Mittelstand bedeutet das: Erfolgreiches China-Sourcing braucht keine Landkarte mit hunderten Pins – sondern einen klaren regionalen Fokus, belastbare Kontakte und eine Präsenz, die Nähe schafft.

China ist groß. Erfolgreiches Sourcing beginnt jedoch im richtigen Umkreis.