Aller Anfang ist schwer – und manchmal auch schmerzhaft

Wenn ich heute auf über drei Jahrzehnte Unternehmertum zurückblicke, wirkt vieles logisch, fast selbstverständlich. War es aber nicht. Im Gegenteil: Der Anfang war geprägt von Unsicherheit, Abhängigkeiten und Entscheidungen, die sich im ersten Moment falsch anfühlten – sich später aber als richtungsweisend erwiesen.

Als ich vor rund dreißig Jahren startete, hatte ich genau zwei Kunden. Einer davon machte rund 90 % meines ohnehin knappen Umsatzes aus. Aus heutiger Sicht ein klassisches Klumpenrisiko – damals schlicht Realität.

Dieser Kunde entwickelte sich zunehmend schwierig. Das Unternehmen geriet wirtschaftlich unter Druck, es folgten Sozialpläne, regelmäßig wurden Mitarbeitende entlassen. Die Stimmung im Betrieb war entsprechend angespannt. Was sich intern abspielte, blieb natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Zusammenarbeit.

Der Wendepunkt kam, als ich erfuhr, dass man den Einkaufsleiter nach 35 Jahren Betriebszugehörigkeit entlassen hatte. Um eine Abfindung zu vermeiden, wurde seine Position kurzerhand aus dem Organigramm gestrichen. Formal sauber, menschlich für mich nicht akzeptabel.

Ich traf eine Entscheidung, die mir damals alles andere als leichtfiel:

Ich bat den Kunden, seine Spritzgussformen abzuholen, stellte die Zusammenarbeit vollständig ein – und begab mich auf Jobsuche. Mitten im Aufbau. Mit laufenden Kosten. Ohne Plan B.

Rational betrachtet war das ein enormes Risiko. Emotional betrachtet war es alternativlos. Ich wollte – und konnte – mein Verständnis von fairer Zusammenarbeit nicht über Bord werfen, nur um zu überleben.

Einige Zeit später klingelte mein Telefon. Am Apparat war der Einkaufsleiter meines zweiten Kunden. Er hatte von dem Vorfall gehört und rief an, um mir zu meiner Entscheidung zu gratulieren. Als ich ihm offen sagte, dass ich mit den wenigen Aufträgen seines Unternehmens nicht überleben konnte, zögerte er nicht lange.

Er gab mir ein großes Projekt mit über 30 Spritzgussformen. Ein Auftrag, der mir nicht nur wirtschaftlich den Rücken freihielt, sondern mir auch Zeit verschaffte, wieder Luft zu holen und nach vorne zu schauen.

Diese Erfahrung hat mich nachhaltig geprägt. Sie hat mir gezeigt, dass Haltung im Geschäftsleben kein Luxus ist – sondern langfristig ein Wettbewerbsvorteil. Dass Integrität wahrgenommen wird. Und dass Entscheidungen, die sich im ersten Moment wie ein Rückschritt anfühlen, manchmal genau das Fundament für die nächste Entwicklungsstufe legen.

Der Satz „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“ klingt abgenutzt. Damals wurde er für mich sehr real.

Vor Kurzem habe ich diesen Mann wieder besucht. Er ist heute 76 Jahre alt und seit vielen Jahren pensioniert. Wir haben über alte Zeiten gesprochen. Über Projekte, über Entscheidungen, über Menschen. Ich werde ihn nie vergessen. Ohne ihn wäre TaiGer heute wahrscheinlich Geschichte.

Und genau deshalb glaube ich bis heute:

Gute Geschäfte beginnen nicht mit Preisen oder Verträgen – sondern mit Haltung.